Thomas Schaaf

Pokalheld wider Willen

von Katrin Freiburghaus

München – Als die Spieler des SV Werder Bremen am 12. Juni 1999 im Elfmeterschießen den haushohen Favoriten Bayern München bezwangen, wurde ihr Trainer der erste Fußballer, der den DFB-Pokal sowohl als Spieler als auch als Trainer gewonnen hatte.

Mit Thomas Schaaf verschaffte sich damit ein Mann Zugang zum Kreis der Pokalhelden, der dort kaum schlechter aufgehoben sein könnte. Denn der 52-Jährige kann mit individuellen Ehren wenig anfangen.

Schaaf war 1999 gerade einmal fünf Wochen im Amt und sagt über den Moment, in dem er in die Fußball-Geschichte einging: „Für mich ist es wichtiger, was man mit der Mannschaft erlebt hat, als dass man sagen kann, dass man diesen Titel jetzt besonders oder für sich alleine hätte.“

Seit 41 Jahren Werder

Er hat nicht einmal selbst herausgefunden, welchen Rekord er noch bis zum 1. Juni dieses Jahres hält. Irgendwann habe ihn halt mal jemand darauf angesprochen, sagt Schaaf lapidar.

Man ist geneigt, ihm diesen Gleichmut abzukaufen, weil er seinen Verein in 14 Jahren als Cheftrainer nie zur Selbstdarstellung benutzte. Er spielte in Bremen, seit er elf Jahre alt war, und gewann als Werder-Profi zwei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und einmal den Pokal der Pokalsieger.

Als Trainer fügte er seiner Erfolgsgeschichte drei weitere Pokalsiege und eine Meisterschaft hinzu. Er gehört damit auch zu den Rekord-Trainern im DFB-Pokal, wird aber nicht müde zu betonen, dass es sich nicht um persönliche, sondern kollektive Titel handle.

Der Gefangene vom Spielfeldrand

Wenn er sich an jene Nacht von 1999 in Berlin erinnert, setzt er deshalb keine wichtige Miene auf, um geniale taktische Winkelzüge zu erläutern. „Meine Kollegen hatten das ja vorbereitet – und ich durfte es mit dem Finale zuende bringen“, sagt er stattdessen.

Dabei fiel ihm der letzte Schritt zum Titel damals alles andere als leicht. Schließlich hatte der ehemalige Verteidiger Pokal-Endspiele bis zu diesem Tag stets mit Stollen unter den Füßen und reichlich Gelegenheit zu körperlicher Betätigung erlebt. „Als Spieler kann man sich austoben“, bestätigt Schaaf.

Am Spielfeldrand war er dagegen zum Zuschauen verurteilt. „Da steht man draußen und darf das, was man als Spieler durfte, nicht mehr“, beschreibt er die damals neuen Gefühlswelten, „man kann es nicht mehr abarbeiten und ist quasi gefangen.“

Pokalsieger 2014?

Das Gefühl der Ohnmacht dürfte für Schaaf speziell in dieser Bundesliga-Saison allgegenwärtig gewesen sein. Der Abstiegssumpf, aus dem er Werder in seiner Antrittssaison 1999 und nun am vorletzten Spieltag erneut rettete, hatte Diskussionen um seine Person befeuert, die in Bremen viele Jahre undenkbar gewesen waren.

Vor dem letzten Saisonspiel einigten sich Trainer und Verein schließlich auf eine einvernehmliche Trennung. Während Werders Pokal-Bilanz mit zwei Erstrunden-Pleiten in den vergangenen zwei Jahren zuletzt ernüchternd ausfiel, ist Schaaf für Vereine mit Titelambitionen in diesem Wettbewerb statistisch betrachtet hoch interessant.

Seinen letzten Pokalsieg als Spieler errang er 1994, es folgten die Triumphe auf der Bank 1999, 2004 und 2009. Nach dem Gesetz der Serie wäre Schaaf 2014 also wieder dran. „Ich hab nichts dagegen. Das waren wunderschöne Erlebnisse, die ich nicht missen möchte“, sagt er. Sollte die Rechnung aufgehen, würde Schaaf übrigens mal wieder Geschichte schreiben: Er wäre dann der einzige Trainer mit vier DFB-Pokal-Siegen.

Video Hinweis: Dateigröße zwischen 20-25MB